Mehr als 1.500 Menschen suchten 2011 den (Aus)Weg zur Schuldnerberatung

Die Zentrale Schuldnerberatung mit Sitz in der Bonner Innenstadt wird gemeinsam vom Diakonischen Werk und dem Caritasverband getragen. Heute stellten deren Vertreter den Jahresbericht 2011 vor und trafen sich mit Ulrich Kelber, SPD MdB, zu einem Gedankenaustausch über aktuelle politische Fragen zum Thema Verschuldung.

"Wir können von einer erfolgreichen Arbeit sprechen, aber fügen ein leider hinzu", sagte Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes. "Denn die Zahl derjenigen, die bei uns Hilfe sucht, ist weiter gewachsen, und das bedeutet auch, dass vielen Menschen finanziell das Wasser bis zum Halse steht." Immer häufiger wird die Beratungsstelle von Menschen aufgesucht, die aufgrund von gescheiterter Selbständigkeit oder fehlgeschlagener Baufinanzierung Hilfe bedürfen. Bei manchen Ratsuchenden scheitern die ursprünglichen finanziellen Lebensplanungen aufgrund von Arbeitslosigkeit. Überschuldung ist die Folge.

Für Caritasdirektor Jean-Pierre Schneider zeichnen die Zahlen ein klares Bild: "Fast die Hälfte der Klienten ist ohne Arbeit, mehr als ein Drittel lebt getrennt oder ist geschieden, und mehr als ein Drittel sind Migranten. Die Schuldnerberatung reicht dabei oft nicht. Hier besteht auf kurzen Wegen die Möglichkeit zur Einschaltung von weiteren Diensten des Diakonischen Werkes oder des Caritasverbandes, sofern dies erforderlich ist." Die ZSB bietet kurzfristig Akuthilfen an. Sie umfasst telefonische und persönliche Sprechstunden, zunehmend wird auch das Onlineangebot (www.beratung-caritasnet.de) besonders von jungen Menschen genutzt. Die in der Regel notwendigen Intensivberatungen zur Einleitung von Entschuldungsverfahren werden derzeit von 1.012 Menschen genutzt. In 459 Fällen wurden mit den Klienten Anträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens erarbeitet. Die Arbeit der ZSB hilft auch für den zukünftigen Umgang mit Geld, denn fast nie sehen die Mitarbeiter einen Klienten später wieder.

Doch bei dieser Beratung geht es nicht nur um Geld: "Bestandteil ist auch die Erörterung des weiteren Hilfebedarfs, wie die Lebensverhältnisse stabilisiert werden können und wie die Menschen ihr Leben überhaupt wieder in den Griff bekommen können", erläutert ZSB-Leiter Ralf Jeuschede. Er hält es für wichtig, dass in Bonn auch ein Angebot für Schuldenprävention aufgebaut wird, "denn unsere Arbeit zeigt uns, dass Überschuldung nicht von heute auf morgen entsteht. Aufklärung über die Gefahren des Konsums tut gerade für junge Leute Not."

Die kostenlose Beratung erfolgt:

• telefonisch unter 0228/9696655

• online bei www.beratung-caritasnet.de

• in der persönlichen Sprechstunde mittwochs von 9.00 bis 11.00 Uhr

• in der Abendsprechstunde für Berufstätige nach telefonischer Terminvereinbarung unter der genannten Telefonnummer