Schließung der Bahnhofsmission Bonn zum Jahresende beabsichtigt

Ulrich Hamacher und Jean-Pierre Schneider im Pressegespräch

Die beiden Geschäftsführer Ulrich Hamacher und Jean-Pierre Schneider berichten über die Entwicklung der Bahnhofsmission Bonn.

Ihr Zeichen ist die blaue Weste mit dem Logo der Bahnhofsmission. Daran erkennen Reisende die ehrenamtliche Unterstützung vor Ort. Tatsächlich engagieren sich unter der gemeinsamen Trägerschaft von Diakonie und Caritas seit fünfzehn Jahren Menschen mit Herzblut auf Gleis 1 in Bonn.

Die Statistik zeigt allerdings, dass die ehrenamtliche Hilfe immer weniger nachgefragt wird. „Bonn ist kein Verkehrsknotenpunkt wie Köln oder Frankfurt. Der Fernverkehr wird zunehmend auf die andere Rheinseite verlagert und es findet eine Entwicklung statt, hin zum reinen Regional- und Pendlerbahnhof, der kein klassisches Einsatzgebiet für Bahnhofsmissionen darstellt. Nur wenige Menschen nehmen die Reisehilfen hier in Anspruch. Eine der Kernaufgaben von Bahnhofsmissionen ist damit strukturell abgewandert,“ so Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Bonn und Region.

Hinzu komme die räumliche Präsenz vor Ort. Eine Bahnhofsmission erhöht das Gefühl der Sicherheit und des Wohlbefindens. Voraussetzung dafür sind allerdings wahrnehmbare, einladende Räumlichkeiten. „Hier  gibt es dringenden Verbesserungsbedarf. Eine für Diakonie und Caritas entscheidende Chance dafür bot das „Haus der Sicherheit“, das leider nicht realisiert wird. Damit ist die schlechte Raumsituation der Bahnhofsmission auf lange Zeit zementiert“ bedauert Jean-Pierre Schneider, Caritasdirektor. Die Bauarbeiten, die mittlerweile im vierten Jahr das Geschehen am Bahnhof beeinträchtigen, tun ihr Übriges. Sie seien aber nicht entscheidungsrelevant, da sie nur temporär, wenn auch für einen sehr langen Zeitraum, eine Rolle spielen.

Mit der Schließung der Einrichtung werden sich Menschen, die Reisehilfen benötigen direkt an das Servicepersonal der Bahn wenden. Den Gästen, die die Einrichtung bisher regelmäßig aufsuchen, werden die Mitarbeitenden im Vorfeld selbstverständlich aufzeigen, welche anderen Angebote ihnen zum Aufenthalt, sowie für Rat und Hilfen in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof zur Verfügung stehen. Das Hilfenetz im Stadtzentrum ist sehr dicht gewebt und Diakonie und Caritas werden sich dafür einsetzen, die Menschen, die Hilfe benötigen zu begleiten.

Die ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen der Bahnhofsmission teilen die Einschätzung der Verbände nicht und missbilligen die Entscheidung, die Einrichtung zu schließen. Sie denken darüber nach, ob das Angebot in einer anderen Form aufrechterhalten werden kann. Die beiden Träger  sind dafür offen und bleiben mit dem Team im Gespräch. Außerdem wünschen sich Caritas und Diakonie parallel mit der Bahn zu klären, in welcher Form diese auch einen Teil der Verantwortung für den Sozialraum Hauptbahnhof zu leisten bereit wäre.