Diakonische Konferenz 2019

© Diakonisches Werk

Chancengleichheit in der Bildung war das Thema der Diakonischen Konferenz, die traditionell an Aschermittwoch stattfindet und zu der die Kirchengemeinden Rheinbach, Meckenheim und Swisttal gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Bonn und Region in die Maria-Magdalena-Kirche nach Heimerzheim eingeladen hatten. Den Rahmen für die Diskussionen in drei Workshops setzte Hans Flinkerbusch, ehemaliger Schulleiter der Offenen Schule Köln. Swisttals Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner und Rheinbachs Bürgermeister Stefan Raetz nahmen auch an der Konferenz teil.

Flinkerbusch betonte, dass Chancengleichheit ein Recht ist, es diese aber in der Bildung oder besser im vorhandenen Bildungssystem nicht gibt. „Alle Kinder und Jugendlichen sind unterschiedlich und darauf muss es Antworten geben. Es kann nicht sein, dass alle zur gleichen Zeit über die gleich hohe Latte springen müssen.“ Gleichzeitig würden Kinder, wenn sie Besonderheiten aufweisen, in Schubladen gesteckt und voneinander getrennt. Flinkerbusch ist ein Verfechter der Schule für alle, wo jeder individuell gefördert wird. Sein Fazit: Durch Trennung würden keine Bildungsreserven gehoben, die schon vor Eintritt in Kindergarten oder Schule vorhandene Ungleichheit werde verstärkt und die „Leistungsstrukturen“ des Bildungssystems verhinderten ein menschengerechtes, individuell ausgerichtetes, angstfreies Lernen, „also eine wirklich humane Bildung“.

In drei Workshops beschäftigten sich die Teilnehmer der Konferenz dann weiter mit dem Thema Chancengleichheit.  „Mit 1,06 € zum Abitur! Reicht das?“ war ein Workshop betitelt. Nimmt man den Hartz IV-Satz für Erwachsene von 416 Euro (Stand 2018) pro Monat, so sind dort für Bildung genau diese 1,06 Euro eingerechnet. „Diese finanzielle Ausstattung ist viel zu gering“, waren sich die Teilnehmer einig. Es gebe zwar verschiedene Initiativen, um Kinder aus einkommens-schwachen Familien finanziell besser zu unterstützen, aber dort seien viele Verfahren zu bürokratisch und würden Eltern überfordern. Gleichzeitig müssten Eltern oftmals erst überzeugt werden, dass es sich lohnt, zusätzliches Engagement für die Bildung und Teilhabe der Kinder zu zeigen.

Die Arbeitsgruppe „Inklusion ja – aber richtig!“ beleuchtete die bisherigen Erfahrungen mit Inklusion. Das betonten die Teilnehmer noch einmal, dass es nicht um Inklusion Ja oder Nein ginge, sondern um die Frage, wie man sie richtig umsetzt. „Die Bedingungen müssen stimmen“, so der Tenor. Was sie derzeit nicht tun, vor allem fehle es an zusätzlichem und entsprechend ausgebildetem Personal für inklusive Klassen. An vielen Schulen mache der Idealismus der Lehrerinnen und Lehrer vieles wett, aber eine Lösung sei das nicht.

Die dritte Arbeitsgruppe stand unter dem  Titel „Gegenwart und (notwendige) Zukunft unserer Bildungspolitik“. Hier ging es um Förderschulen, Durchlässigkeit der Bildungsgänge und den finanziellen Aufwand für Bildung. Hans Flinkerbusch gab dabei viele Einblicke, wie die Offene Schule Köln arbeitet und wie diese Schule für alle ihr Konzept umsetzt.

Zum Abschluss fasste Superintendent Mathias Mölleken die Konferenz zusammen. Bei der Diskussion gehe es nicht nur um Geld und finanzielle Ausstattung, sondern immer auch um Beziehungen von Menschen. Derzeit erlebten wir bei der Chancengerechtigkeit eine zunehmende Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit, „das Klima ist ziemlich rau“. Deshalb appellierte Mölleken: „Der Weg zu Chancengleichheit oder besser Chancengerechtigkeit ist ein Weg, der mühsam ist, aber es steht außer Frage, dass wir weitermachen müssen.“