Mehr Einsatz gegen Kinderarmut

Das Diakonische Werk für Bonn und Region hat an der Kreissynode in Bonn teilgenommen und dort seine Arbeit zum Thema Kinderarmut präsentiert. Daraufhin hat die Kreissynode ein Forderungspapier zur Bekämpfung von Kinderarmut verabschiedet und bringt dieses nun auf der Landessynode ein.

Die Kreissynode Bonn fordert deutlich größere Anstrengungen gegen die wachsende Kinderarmut auch in Bonn und der Region. Den Bonner Protestanten geht es vor allem um die Einführung einer Kindergrundsicherung. „Wir müssen Familien die materiellen Voraussetzungen geben, damit ihre Kinder teilhaben können an gesunder Entwicklung und guter Bildung“, betonte der Bonner Diakonie-Geschäftsführer Ulrich Hamacher auf der Kreissynode in Bonn. In lebhaften und sehr informativen Gesprächen mit Mitarbeitenden der Diakonie wurde deutlich, wie schwer es Menschen, vor allem Alleinerziehende haben, aus der "Hartz 4-Spirale" wieder herauszukommen.

Die Synode fordert daher eine bessere Ausstattung der Kindertageseinrichtung und Schulen mit qualifiziertem Personal. Dafür sollten „deutlich mehr Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer und andere Fachkräfte ausgebildet und eingestellt werden". Auch die räumlichen Voraussetzungen in Schulen müssten deutlich verbessert werden. Die Gelder dafür wären mit dem Fond „Gute Schule 2020" längst bewilligt, müssten dafür allerdings endlich abgerufen und genutzt werden. Alle Bildungseinrichtungen sollen zudem „konsequent auf inklusive Förderung aller Kinder“ durch entsprechende Gestaltung der Lehrpläne, des Unterrichts und der Betreuungszeiten ausgerichtet werden. Die Synode bekräftigte zudem, dass auch die Evangelische Kirche ihren Beitrag zur Bekämpfung der Kinderarmut leisten wolle. Dazu gehöre das öffentliche Eintreten für bessere Lebensbedingungen benachteiligter Kinder genauso wie die Arbeit des Diakonischen Werkes, die Förderung der Kinder in kirchlichen Kindertageseinrichtungen und in der Arbeit der Kirchengemeinden. Die Landessynode wird aufgefordert, ihre eigenen Forderungen für eine Grundsicherung für Kinder zu erneuern und sich den Bonner Beschluss zu eigen zu machen.

„Kinderarmut ist Familienarmut“, erklärte Superintendent Eckart Wüster. Die Bonner Synode dankt ausdrücklich „allen, die sich in Politik und Gesellschaft für eine Bekämpfung der Kinderarmut einsetzen“. Sie begrüßt die schon beschlossenen und zum Teil umgesetzten Maßnahmen wie der Ausbau der Kindertageseinrichtungen und des Offenen Ganztags (OGS) in den Grundschulen, oder das kostenlose Mittagessen für bedürftige Kinder in den OGSen. Denn es geht nicht um Einzelfälle. Inzwischen habe jedes siebte Kind in Bonn, mehr als der Landesdurchschnitt, Anspruch auf soziale Unterstützung, ergänzte Ulrich Hamacher.

Im Rahmen der Tagung erhielten die Tagungsteilnehmer einen intensiven Einblick in das Thema der Kinder-und Familienarmut. Dazu wurde in vier Workshops gearbeitet:

  • Wie zeigt sich Kinder- und Familienarmut?
  • Was tut das Diakonische Werk gegen Kinder- und Familienarmut?
  • Wie kann Kinder- und Familienarmut bekämpft werden?
  • Reicht Hartz IV zum Leben aus?