Finde ich eine Pflegekraft?

Einrichtungsleiterin Sonja Freyer geht neue Wege um Fachkräfte zu gewinnen

Pflegefachkräfte gesucht - die Diakonie wirbt jetzt im Radio

Die Diakonie Bonn und Region geht neue Wege um Personal zu gewinnen

Anbieter von Pflegediensten haben zunehmend Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden. Der Beruf ist anstrengend, die Arbeitszeiten sind nicht ohne Weiteres mit dem Familienleben zu vereinbaren, die gesellschaftliche Wertschätzung ist gering. Immer häufiger haben es deshalb auch die Pflegebedürftigen schwer, jemanden zu finden, der sie pflegt. Die Bonner Diakonie wagt es nun, gewohnte Pfade zu verlassen und verändert die Arbeitsbedingungen, um neue Mitarbeitende zu gewinnen.

Unter der Annahme, dass die Pflegefallwahrscheinlichkeiten und der Personalbedarf für Pflegebedürftige unverändert bleiben und nur von der demografischen Entwicklung abhängen, könnte allein der demografische Wandel dazu führen, dass der Bedarf an Pflegevollkräften (sowohl Fachkräfte als auch Pflegehelfer) bis 2025 um rund 27 Prozent gegenüber 2005 ansteigt. Dies könnte bei konstanter Fortschreibung der Beschäftigungsstruktur zu einer Lücke von ausgebildeten Pflegekräften von rund 200.000 Pflegekräften im Jahre 2025 führen. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegestaerkungsgesetze/pflegekraefte/pflegefachkraeftemangel.html; gesehen am 19.09.2017

Das ist auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums unter dem Stichwort Pflegefachkräftemangel zu lesen. „Uns betrifft das direkt in der Praxis“, berichtet Sonja Freyer, Leiterin der Ambulanten Pflege der Diakonie. „Ich kann nicht mehr alle Anfragen nach ambulanter Pflege bedienen. Immer wieder muss ich Patienten bzw. Angehörigen absagen, weil wir in dem Moment keine Kapazitäten haben, um weitere Menschen zu pflegen“, beschreibt Freyer die Situation.

Daran möchte sie etwas ändern. Es gibt Fachkräfte, die gerne wieder in den Beruf einsteigen würden, aber nicht können, weil die Arbeitszeiten nicht mit der Familie vereinbar sind. Wer ein schulpflichtiges Kind hat, kann nicht um sechs Uhr morgens eine Pflegetour fahren. Bei der Diakonie schon. Wir bieten diesen Fachkräften ab sofort an, ihren Dienst morgens regelmäßig später zu beginnen. Außerdem werden wir die Dienstpläne so gestalten, dass die Wochenenden oder das „Zwölf-Tage-am-Stück-Arbeiten“, nicht mehr zur Regel gehören. Stattdessen soll es künftig nach einem Wochenenddienst regelmäßig mehr als zwei freie Tage geben. „Unser Team trägt das mit, weil die Kolleginnen und Kollegen wissen, dass wir nur auf diese Weise Unterstützung und Entlastung bekommen“, erzählt Freyer dankbar. Auch die Patientinnen und Patienten müssen sich umstellen. „Wir können nicht jeden Menschen morgens um halb sieben aufsuchen. Sofern keine medizinische Notwendigkeit vorliegt, kommt der Pflegedienst dann erst um elf Uhr oder später“, bedauert Freyer. „Solange die Bundespolitik und die Gesellschaft die Rahmenbedingungen für Pflege nicht grundlegend verbessern, werden wir ohne solche Kompromisse nicht auskommen“, ist die Fachfrau sicher.

Ab Oktober wirbt das Diakonische Werk im regionalen Hörfunk um Fachkräfte.
Interessierte können sich direkt an Sonja Freyer wenden.